Zu den notwendigen Fähigkeiten eines guten Arztes gehört die Fähigkeit, eine reibungslose Kommunikation herzustellen und dadurch zu einer genauen Diagnose und einer wirksamen Behandlung zu gelangen.
Die Anamnese, eine der Säulen dieser Kommunikation, geht weit über einfache Fragen und Antworten hinaus. Sie ist ein Prozess, der Empathie, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit erfordert, wertvolle Informationen aus den Schilderungen des Patienten zu gewinnen.
In diesem Artikel erfahren Sie, was eine gute Anamnese ausmacht und wie man sie durchführt.
Was ist eine Anamnese?
Die Anamnese ist ein medizinisches Dokument, das auf der Grundlage eines Gesprächs mit dem Patienten erstellt wird und dazu dient, die Diagnose zu präzisieren und Details für eine angemessenere und effektivere Behandlung aufzudecken.
Man kann es auch als eine kritische Beurteilung des Arztes auf Grundlage der Angaben des Patienten zusammenfassen, die über die bloße Beschreibung der Symptome hinausgeht.
Mit anderen Worten: Die Anamnese sammelt Informationen aus der Krankengeschichte des Patienten und berücksichtigt dabei alles von aktuellen Beschwerden bis hin zu Gewohnheiten und der psychosozialen Vorgeschichte, die sich auf Diagnose und Behandlung auswirken können.
Warum wird eine Anamnese durchgeführt?
Im Gegensatz zu einer oberflächlichen Beurteilung bietet die Anamnese ein wesentlich breiteres Feld für die Analyse von Symptomen, wobei Gewohnheiten, soziodemografische Aspekte, die Familiengeschichte und verschiedene andere Faktoren berücksichtigt werden.
Mithilfe dieser Informationen können weitere Erkrankungen identifiziert werden, wie zum Beispiel Berufskrankheiten oder Störungen mit diffusen Symptomen.
In anderen Fällen kann ein Patient mit einer scheinbar einfachen Gastroenteritis bereits eine Vorgeschichte haben, die beispielsweise auf eine Gastritis oder ein Magengeschwür hindeutet.
Beide Situationen können im Vorfeld durch ein gut durchgeführtes und detailliertes Interview in Kombination mit einer klinischen Analyse erkannt werden.
Wichtig ist, sich vor Augen zu halten, dass die Krankengeschichte kein statisches Dokument ist, sondern als Instrument zur kontinuierlichen Aktualisierung während der Nachsorge des Patienten betrachtet werden sollte. Sie dient als Informationsquelle und Aufschluss über Möglichkeiten für andere Behandlungen.
Wann sollte die Anamnese erhoben werden?
Idealerweise sollte die Anamnese zu Beginn der Konsultation erhoben werden, sei es eine medizinische, psychologische, physiotherapeutische usw.
Denn anhand dieser Informationen leitet der behandelnde Arzt den Patienten zu Untersuchungen und Tests, die die erste Diagnose bestätigen und die weitere Behandlung festlegen.
Wie führt man eine Anamnese durch?
Zuallererst müssen Angehörige der Gesundheitsberufe verstehen, dass eine gute Anamnese das Ergebnis der Fähigkeit ist, dem Patienten zuzuhören und seine Aussagen richtig zu interpretieren.
Darüber hinaus erfordert eine gründliche Anamnese eine gute Vorbereitung. Es ist wichtig, dass der Arzt die Patientenakte durchsieht, um die grundlegenden Informationen über den Patienten zu verstehen.
Von diesem Punkt an kann man mit der Erstellung der Krankengeschichte beginnen.
Eine klassische Anamnese sollte folgende Themen umfassen:
- Identifikation;
- Hauptbeschwerde;
- Krankengeschichte;
- Systematische oder symptomatische Befragung;
- Persönlicher und familiärer Hintergrund;
- Lebensgewohnheiten;
- Psychosoziale Vorgeschichte (sozioökonomische und kulturelle Bedingungen).
Identifikation
Es mag offensichtlich erscheinen, dass die Anamnese mit der Erfassung grundlegender Patientendaten beginnt, doch in diesem Fall geht die Identifizierung über Name und Alter hinaus und dient als soziodemografisches Profil.
Die in dieser Phase der Anamnese erhobenen Daten sind daher:
- Name;
- Alter;
- Sex;
- Rasse/Ethnie;
- Familienstand;
- Beruf;
- Bildungsniveau;
- Religion;
- Geburtsort;
- Aktueller Wohnort;
- Zuverlässigkeitsgrad.
Bestimmte Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit und Religion können zunächst Verwirrung hinsichtlich der Notwendigkeit dieser Informationen stiften. Sie sind jedoch erforderlich, um die Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen zu erkennen oder Lebensgewohnheiten zu ermitteln, die sich auf Bräuche, Ernährung und Freizeitgestaltung auswirken.
Andere Kategorien wie Beruf, Geburtsort und Wohnort sind für das Screening auf mögliche Expositionen gegenüber Krankheiten unerlässlich.
Hauptbeschwerde
An diesem Punkt äußert der Patient zum ersten Mal den Grund, der ihn dazu veranlasst hat, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
„Was führt Sie heute hierher?“ ist fast immer die Standardfrage, um dieses Gespräch zu beginnen.
Dies ist der Ausgangspunkt für die Diagnose, daher ist es wichtig, dass sich der Patient wohlfühlt und bereit ist, weitere Details preiszugeben. Konzentrieren Sie sich aber nicht nur auf das Gesagte, sondern achten Sie auch auf die Körpersprache.
Sie ist diejenige, die mögliche Hinweise auf den Schweregrad oder die Auswirkungen auf das Leben des Patienten liefern kann.
Krankheitsverlauf
Es ist wichtig, den Patienten zu ermutigen, so viele Details wie möglich anzugeben, da die Vorgeschichte der aktuellen Erkrankung einer der wichtigsten Faktoren für die Diagnose ist.
Beginnen Sie dazu mit der Suche nach einer Zeitleiste der Ereignisse, basierend auf dem Startdatum. Ermitteln Sie anschließend die Gesamtdauer der Erkrankung, ihren Ort, ob Strahlung vorliegt, die Art und Weise der Symptome sowie deren Intensität.
Der Patient kann diese Informationen spontan preisgeben, aber fragen Sie nach genaueren Details wie: ob sich die Symptome verschlimmert haben, in welchem Zusammenhang sie mit anderen Beschwerden stehen und welche Faktoren sie gegebenenfalls verbessern oder verschlimmern.
Systematische oder symptomatische Befragung
Auch nach der Behandlung der Hauptbeschwerde und der Krankengeschichte ist es wichtig, andere Körpersysteme zu untersuchen, um sicherzustellen, dass der Patient keine anderen Symptome übersehen hat.
Einige mögliche Fragen sind:
- Und wie sieht es mit der Atmung aus?
- Fühlst du dich müde oder erschöpft?
- Und was das Essen angeht, alles in Ordnung?
Vermeiden Sie es einfach, übermäßig detaillierte Fragen zu stellen, um den Patienten nicht in seinen Ausführungen zu stören.
Hintergrund
Um ein umfassenderes Bild des Gesundheitszustands des Patienten zu erhalten, ist es stets wichtig, seine Krankengeschichte zu erheben – von persönlichen Vorerkrankungen wie früheren Operationen und bestehenden Gesundheitsproblemen bis hin zur Familiengeschichte. Dies hilft zu verstehen, ob es sich bei der aktuellen Erkrankung um einen Einzelfall, eine Krise infolge einer Vorerkrankung oder ein Anzeichen für etwas handelt, das weiterer Abklärung bedarf.
Lebensgewohnheiten
Aspekte wie Ernährung, körperliche Bewegung und Schlafqualität sollten als Faktoren, die die Gesundheit des Patienten beeinflussen, berücksichtigt werden.
Außerdem muss gefragt werden, ob die betreffende Person Alkohol, Tabak und andere Substanzen konsumiert oder verwendet.
Die Bedeutung eines herzlichen Empfangs des Patienten während der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)
Es ist wichtig zu beachten, dass die Krankengeschichte zwar ein klinisches Dokument ist und kritisch erstellt werden sollte, die Patientenversorgung jedoch nicht denselben Prinzipien folgt.
Tatsächlich sollte der Arzt während des Beratungs- und Gesprächsprozesses stets so verständnisvoll und freundlich wie möglich sein, da dies der erste Moment der Verbindung zwischen Arzt und Patient ist.
Der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen den Beteiligten ist sowohl für das Verständnis des ursprünglichen Problems als auch für den Behandlungsverlauf unerlässlich. Es ist wichtig, dass sich der Patient wohlfühlt, über seine Probleme zu sprechen, und dem Rat des Arztes vertraut.
Dasselbe gilt für die Arzt-Pflegekraft-Beziehung. Wenn der Patient aus irgendeinem Grund nicht in der Lage ist, seine Beschwerden selbst zu äußern, wird die Bindung zwischen Arzt und Pflegekraft/Begleitperson unerlässlich.